Kostenlose Modelle bei OpenRouter: Was als Agent taugt
Einige kostenlose Modelle bei OpenRouter rufen Werkzeuge zuverlässig auf. Bei 50 Anfragen am Tag sind sie aber zum Ausprobieren da und nicht für die Arbeit. Und manche Anbieter dürfen mit euren Prompts trainieren.
OpenRouter ist ein Vermittler: Über eine einzige Schnittstelle erreicht man Hunderte Sprachmodelle verschiedener Anbieter. Ein Teil davon ist kostenlos und trägt das Kürzel :free im Namen. Mich hat interessiert, ob diese Gratis-Modelle auch als Agent taugen. Gemeint ist ein Modell, das nicht nur Text schreibt, sondern selbstständig Werkzeuge aufruft, also zum Beispiel eine Datei liest, eine Suche startet oder ein Skript ausführt.
Was ich getestet habe
Am 23. Oktober 2026 habe ich die kostenlosen Modelle darauf geprüft, ob sie Werkzeuge korrekt aufrufen. Fachlich heißt das Tool Calling: Das Modell gibt einen strukturierten Aufruf zurück, etwa „Funktion X mit Parameter Y“, und das Agenten-Programm führt ihn aus.
Ergebnis meines Tests:
- Funktioniert hat es bei Nemotron 3 Ultra 550B (NVIDIA), Flint 1.0 (Recursive), Laguna S 2.1 (Poolside), Dots 3 (Dots Studio) und North Mini Code (Cohere).
- Gemma 4 31B (Google) und Xing 4.0 lieferten nur den Fehler 429.
- Inkling (Thinking Machines) lief bei mir nur in Agenten-Programmen.
Das sind Beobachtungen aus einem einzelnen Testlauf und keine unabhängige Messung. Belegen lässt sich dagegen: Alle genannten Modelle sind als kostenlos gelistet und nehmen laut Modellseiten bzw. der Übersicht von CostGoat den Parameter für Werkzeuge an.
Zum Fehler 429: Laut OpenRouter-Doku bedeutet er „Rate limit exceeded“, also zu viele Anfragen. Ob dahinter eine Überlastung beim Anbieter steckte oder ein Limit auf meiner Seite, lässt sich von außen nicht sicher sagen.
Zu Inkling: Auf der Modellseite von Inkling (free) steht kein Hinweis, dass der kostenlose Zugang auf Agenten-Programme beschränkt ist. Erwähnt wird dort nur, dass das Modell derzeit nicht über EU-Routing erreichbar ist. Die Einschränkung auf Agenten bleibt also meine Beobachtung.
Was sich seit dem Post getan hat
Viel ist es nicht. Die CostGoat-Liste wurde am 29. Oktober aktualisiert und führt weiterhin alle acht genannten Modelle als :free, jeweils mit Tool-Unterstützung. Insgesamt stehen dort derzeit 17 kostenlose Modelle. Das zeigt aber auch, wie schnell sich diese Liste ändert. Was heute gratis ist, kann nächste Woche verschwunden sein.
Die Limits
Laut der offiziellen Doku, die TrueFoundry bestätigt, gilt für alle :free-Modelle:
- höchstens 20 Anfragen pro Minute,
- höchstens 50 Anfragen pro Tag, solange man insgesamt weniger als 10 Credits gekauft hat,
- 1.000 Anfragen pro Tag, sobald man mindestens 10 Credits gekauft hat.
Für Agenten ist das knapp. Ein Agent schickt pro Aufgabe oft viele Anfragen, weil jeder Werkzeugaufruf eine eigene Runde ist. 50 Anfragen sind deshalb schnell weg. Laut TrueFoundry können außerdem auch fehlgeschlagene Anfragen auf das Tageslimit angerechnet werden.
Datenschutz: Der eigentliche Preis
„Kostenlos“ heißt nicht „ohne Gegenleistung“. Laut TrueFoundry laufen 9 von 19 untersuchten Gratis-Modellen bei Anbietern, deren Bedingungen ein Training mit den Prompts erlauben, darunter NVIDIA und Thinking Machines. Andere speichern die Prompts eine Zeit lang, ohne damit zu trainieren, bei Google AI Studio sind es zum Beispiel 55 Tage. Kann OpenRouter die Richtlinie eines Anbieters nicht feststellen, wird der Endpunkt vorsorglich so markiert, als würde er trainieren und speichern.
Das heißt nicht, dass jeder Prompt im Training landet. Erlaubt ist es aber. Für einen Agenten, der Dateien liest, Code sieht oder Logs auswertet, ist das ein echtes Risiko. Was er sieht, geht an den Anbieter.
Was ich rate
- Zum Ausprobieren gut: Wer Agenten-Workflows testen oder ein Modell kennenlernen will, bekommt hier brauchbare Modelle ohne Kosten.
- Keine vertraulichen Daten: Keine Kundendaten, keine Zugangsdaten, kein interner Code. Davon geht man am besten bei jedem
:free-Modell aus. - Datenschutz-Einstellungen prüfen: OpenRouter bietet Schalter für den Datenschutz und die Anfrage-Option
data_collection: "deny". Dann fallen aber Anbieter weg, die trainieren, und damit oft auch Gratis-Modelle. - Nicht darauf bauen: Bei 50 Anfragen am Tag, 429-Fehlern und einer Liste, die sich ständig ändert, gehört nichts Produktives auf diese Endpunkte.
- Fallback einplanen: Wer es trotzdem nutzt, sollte ein zweites Modell hinterlegen, falls eines wegfällt oder gedrosselt wird.
Mein Fazit: Zum Spielen und Lernen gut, für Arbeit, auf die man sich verlassen muss, eher nicht.
Quellen
- OpenRouter: Modelle, Suche „free“
- OpenRouter Docs: API-Limits
- OpenRouter: Nemotron 3 Ultra (free)
- OpenRouter: Flint (free)
- OpenRouter: Dots3-Note Preview (free)
- OpenRouter: Gemma 4 31B (free)
- OpenRouter: Inkling (free)
- CostGoat: OpenRouter Free Models
- TrueFoundry: OpenRouter free models – what's actually free