Capcom bestätigt Datenleck bei CAPCOM ID: 11,7 Millionen Datensätze betroffen
Unbefugte hatten Zugriff auf CAPCOM ID: 11.774.247 E-Mail-Adressen mit Login-Metadaten und IP-Adresse sind abgeflossen, bei 196 Konten änderten sie das Passwort. Jetzt drohen gezielte Phishing-Mails.
Capcom, der japanische Hersteller hinter Resident Evil, Monster Hunter und Street Fighter, hat einen Einbruch bei seinem Kontodienst CAPCOM ID bestätigt. CAPCOM ID ist das zentrale Benutzerkonto, mit dem man sich bei Capcoms Webdiensten und einigen Online-Spielen anmeldet. Laut der offiziellen Mitteilung von Capcom vom 22. Oktober sind weltweit 11.774.247 Datensätze betroffen.
Was passiert ist
Am 19. Oktober bemerkte Capcom verdächtige Aktivitäten, sperrte den Zugriff und bestätigte noch am selben Tag, dass Unbefugte eingedrungen waren. Am 20. Oktober richtete das Unternehmen einen internen Krisenstab ein, am 21. Oktober folgte die Meldung an die Polizei der Präfektur Osaka und an die japanische Datenschutzbehörde (Personal Information Protection Commission). Wie die Angreifer hineingekommen sind, sagt Capcom nicht. Es heißt nur, man habe den Angriffsweg identifiziert und Gegenmaßnahmen umgesetzt. Bis zum Stand der Berichte hat sich keine Gruppe zu dem Angriff bekannt (Help Net Security).
Welche Daten betroffen sind
Laut Capcom, BleepingComputer und SecurityWeek:
- 11.774.247 Datensätze mit E-Mail-Adresse und Kontometadaten: Erstellungsdatum des Kontos, letzter Login, Anzahl der Logins und die IP-Adresse beim letzten Login.
- 43 Datensätze zusätzlich mit Geburtsdatum, Geschlecht, Land/Region und Nickname.
- 196 Konten, bei denen die Angreifer das Login-Passwort geändert und die Besitzer damit ausgesperrt haben. Capcom hat diese Passwörter inzwischen zurückgesetzt.
- Nicht betroffen sind laut Capcom Kreditkartendaten. Dass die von Kunden selbst gesetzten Passwörter abgeflossen sind, hat Capcom nach eigenen Angaben nicht festgestellt.
Hier muss ich meinen eigenen Post etwas präzisieren: Dort stand „Passwort ändern“, als wären Passwörter Teil des Lecks. Nach aktuellem Stand sind sie das nicht. Die Angreifer konnten aber bei 196 Konten Passwörter ändern, hatten also zumindest Schreibzugriff auf Kontodaten. Wie weit dieser Zugriff ging, untersucht Capcom noch. Ein neues Passwort bleibt deshalb eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, ist aber nicht der wichtigste Punkt.
Warum das wichtig ist
Eine E-Mail-Adresse allein klingt harmlos. Zusammen mit dem Wissen, dass jemand ein Capcom-Konto hat, wann er sich zuletzt eingeloggt hat und von welcher IP-Adresse, wird daraus Material für glaubwürdiges Phishing. Phishing heißt: gefälschte Nachrichten, die dich auf eine nachgebaute Login-Seite locken oder Schadsoftware unterjubeln sollen. Eine Mail wie „Wir haben Ihr Passwort nach dem Vorfall zurückgesetzt, bitte hier bestätigen“ wirkt nach so einer Meldung erschreckend plausibel. Capcom warnt selbst ausdrücklich vor Mails und Nachrichten, die sich als Capcom ausgeben.
Die IP-Adresse kann außerdem grob verraten, wo und über welchen Provider jemand online war. Für die Masse der Betroffenen ist das kein Drama, für gezielte Angriffe aber ein weiteres Puzzleteil.
Kleine Randnotiz: Capcom ist nicht zum ersten Mal Ziel. 2020 traf das Unternehmen ein Ransomware-Angriff der Gruppe Ragnar Locker. Der Einstieg lief damals laut Capcom über ein altes VPN-Gerät.
Wer betroffen ist
Jeder, der ein CAPCOM-ID-Konto hat, etwa für Capcoms Webdienste oder Online-Spiele. Da es um 11,7 Millionen Datensätze weltweit geht, sollte man im Zweifel davon ausgehen, dabei zu sein. Capcom will Betroffene schrittweise benachrichtigen und hat regionale Support-Kanäle eingerichtet, für Europa über das Kontaktformular von Capcom Europe. Die registrierte E-Mail-Adresse kann laut Capcom weiter genutzt werden.
Was du jetzt tun solltest
- Mails, SMS und Anrufe „von Capcom“ misstrauen. Keine Links anklicken, keine Anhänge öffnen. Wenn du etwas prüfen willst, ruf die Capcom-Seite selbst im Browser auf.
- Passwort für CAPCOM ID ändern, als Vorsichtsmaßnahme, solange die Untersuchung läuft.
- Dasselbe Passwort woanders ersetzen, falls du es mehrfach nutzt. Ein Passwortmanager macht das dauerhaft einfacher.
- Prüfen, ob du dich noch einloggen kannst. Wenn nicht, gehörst du womöglich zu den 196 Konten. Dann über den offiziellen Support melden, nicht über Links aus einer Mail.
- Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren, wo sie angeboten wird, vor allem bei Konten, die mit derselben Mailadresse verknüpft sind.
Ich halte vor allem Punkt 1 für entscheidend. Das eigentliche Risiko dieses Lecks liegt in den Mails, die in den nächsten Wochen kommen werden.
Quellen
- Capcom: Notice and Apology Regarding Customer Information Affected Through Unauthorized Access
- BleepingComputer: Capcom confirms data breach affecting 11.7 million accounts
- SecurityWeek: 11 Million Impacted by Capcom Data Breach
- Help Net Security: Capcom data breach exposes 11.7 million account records