BlackX: UEFI-Bootkit umgeht Secure Boot über die alte Baton-Drop-Lücke
Das Bootkit BlackX umging Secure Boot auf voll gepatchten Windows-Rechnern von Diplomaten in Zentralasien. Grund: Die nötigen Sperrlisten-Updates hatte niemand aktiviert. Kaspersky vermutet APT41.
Kaspersky hat ein neues UEFI-Bootkit namens BlackX analysiert. Es wurde Anfang 2026 in einer Spionagekampagne gegen diplomatische Einrichtungen in Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan eingesetzt. Bemerkenswert ist dabei weniger der Schadcode als das, was er ausnutzt: eine Lücke, die seit 2022 bekannt und gepatcht ist. Trotzdem liefen laut BleepingComputer alle Opfer auf voll gepatchten Windows-Versionen.
Was passiert ist
Ein Bootkit ist Schadsoftware, die sich in den Startvorgang des Rechners einnistet und vor dem Betriebssystem lädt. Dort sieht sie kaum ein Virenscanner, und eine Neuinstallation von Windows entfernt sie nicht unbedingt. Secure Boot soll genau das verhindern: Die UEFI-Firmware (der moderne BIOS-Nachfolger) startet nur Bootloader, deren Signatur sie für vertrauenswürdig hält.
BlackX nutzt Baton Drop (CVE-2022-21894). Diese Lücke in alten, aber von Microsoft signierten Windows-Bootmanagern erlaubt es, Secure Boot auszuhebeln. Die Angreifer trugen damit eigene Schlüssel (Machine Owner Keys) ein und konnten so beliebige EFI-Dateien laden. Kaspersky beschreibt die Umsetzung als „bemerkenswert ähnlich“ zum bekannten Bootkit BlackLotus. The Hacker News nennt BlackX eine weiterentwickelte Version davon. Da der Quellcode von BlackLotus nie vollständig öffentlich war, haben die Täter ihn wohl entweder nachgebaut oder auf anderem Weg beschafft.
Wichtig für die Einordnung: BlackX war nicht der Einstieg. Die Angreifer waren bereits im Netz und hatten Administratorrechte, bevor sie das Bootkit installierten. Wie sie hineinkamen, ist nicht bekannt. Das Bootkit diente der dauerhaften und unauffälligen Verankerung.
Nach dem Start lädt BlackX einen Kernel-Treiber, der Sicherheitsprozesse und Überwachungsfunktionen von Windows (etwa ETW, die Ereignisprotokollierung) ausschaltet. Signiert ist er mit einem inzwischen widerrufenen Zertifikat. Einige Routinen laufen nur, wenn Produkte von Kaspersky oder Avast installiert sind. Hier muss ich meinen WhatsApp-Post präzisieren: Laut Kaspersky waren genau diese Routinen gegen ihre Produkte wirkungslos. Dazu kommen Spionagewerkzeuge, darunter ein Fernzugriffstrojaner, der Google Drive, OneDrive und Yandex.Disk als Kommandokanal nutzt, sowie ein Loader namens OxiDLLRunner.
Wer steckt dahinter?
Kaspersky ordnet die Kampagne der China-nahen Gruppe APT41 zu, und zwar mit „mittlerer Sicherheit“. Das ist eine begründete Vermutung, kein Beweis. ESET sieht Ähnlichkeiten zu seinen Recherchen über die Gruppe FishMonger aus dem Juni 2026, die zum APT41-Umfeld gezählt wird. Ohne Vergleich der Samples will ESET eine Verbindung aber nicht bestätigen.
Warum Patchen allein nicht reicht
Das ist der eigentliche Punkt. Der Patch für Baton Drop korrigiert den Bootmanager, doch der alte, verwundbare Bootmanager bleibt gültig signiert. Ein Angreifer mit Adminrechten kann ihn einfach selbst mitbringen. Dagegen hilft nur eine Revocation, also ein Eintrag in der Sperrliste der Firmware (DBX), die das alte Zertifikat „Windows Production PCA 2011“ für ungültig erklärt. Diesen Schritt führt Windows nicht automatisch aus, Admins müssen ihn selbst anstoßen. Laut Kaspersky setzen die Angreifer genau darauf, dass das in vielen Organisationen nie passiert ist.
Neu seit meinem Post: Das PCA-2011-Zertifikat ist am 19. Oktober 2026 abgelaufen. Das schützt aber nicht, denn die Firmware lädt die alten Binärdateien weiterhin, solange das Zertifikat nicht gesperrt ist. Microsoft hat laut seinem Leitfaden zu CVE-2023-24932 (Stand 30. September 2026) noch keinen Termin für die automatische Durchsetzung genannt. Wir befinden uns weiterhin in der „Deployment Phase“.
Wer betroffen ist
Konkrete Ziele waren Diplomaten in Zentralasien. Deutsche Opfer sind nicht bekannt. Verwundbar ist aber grundsätzlich jeder Windows-Rechner mit Secure Boot, auf dem die Revocations fehlen. Das dürften sehr viele sein, auch in Firmen und Behörden hierzulande. Die Voraussetzung Adminrechte begrenzt das Risiko, beseitigt es aber nicht. Wer gezielt angegriffen wird, verliert mit Secure Boot eine Schutzschicht, auf die er sich verlassen hat.
Was du tun solltest
- Windows-Updates einspielen, das ist die Grundlage.
- Secure-Boot-Revocations aktiv umsetzen nach Microsofts Leitfaden: das Zertifikat „Windows UEFI CA 2023“ eintragen, den Bootmanager aktualisieren und anschließend PCA 2011 in die DBX aufnehmen. Prüfe danach, ob der Status wirklich übernommen wurde.
- Vorher testen und Recovery-Medien anlegen. Eine Sperrung lässt sich bei aktivem Secure Boot nicht zurücknehmen, auch nicht durch Neuformatieren. Alte Boot-USB-Sticks und Rettungsmedien starten danach unter Umständen nicht mehr. Fang mit einem Gerät pro Modellreihe an.
- Firmware (UEFI) aktuell halten, damit die Geräte die neuen Zertifikate überhaupt sauber übernehmen.
- Adminrechte knapp halten. BlackX brauchte sie, bevor es überhaupt aktiv wurde.
Mein Fazit: Secure Boot ist nur so stark wie seine Sperrliste. Ein grünes „Alle Updates installiert“ sagt darüber nichts.